Der Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik

 

 

Die Digitale Dividende macht mehr als die Hälfte der Geräte unbrauchbar

 

Sie haben eine wissenschaftliche Umfrage zum Thema Digitale Dividende gemacht. Was genau haben Sie untersucht?
Im Rahmen meiner Bachelor-Arbeit wurde aus einer neutralen Ausgangssituation die Auswirkungen der Digitalen Dividende 1 und 2 auf die Frequenznutzung drahtloser Übertragungstechnik (Audio-PMSE) in verschiedenen Ländern der europäischen Gemeinschaft untersucht. Zur Berücksichtigung von praxisnahen Erfahrungswerten habe ich eine Umfrage zu diesem Thema durchgeführt. Diese hinterfragte zunächst die Auswirkungen der Digitalen Dividende 1. Da mögliche Auswirkungen der 2. Digitalen Dividende noch nicht in vollem Maße bekannt sind und sich erst in den nächsten Jahren bemerkbar machen werden, wurde dieser Themenkreis als Ergänzung berücksichtigt. Die Umfrage fokussierte sich im Schwerpunkt auf die Anwender drahtloser Produktionsmittel. Es wurde abgefragt, wie diejenigen, die tagtäglich mit PMSE-Equipment umgehen, die eigene Betroffenheit bewerten.

 

In der Veranstaltungsbranche gibt es die Befürchtung, dass durch die Digitale Dividende bestimmte Geräte nicht mehr verwendet werden können. Hat sich dies bewahrheitet?
Ja. Die Umfrage hat ergeben, dass Geräte von rund 55 Prozent der Teilnehmenden nicht mehr nutzbar sind. Eine genaue Aufschlüsselung der Ursachen hierfür sowie um welche Geräte es sich handelt, ist der Auswertung meiner Umfrage zu entnehmen.

 

Zu welchen Ergebnissen kommen Sie außerdem?
Es wurde abgefragt, ob nach abgeschlossener Umstellung auf neue Frequenzen Probleme auftraten, die vorher nicht bekannt waren. Aus der Umfrage geht hervor, dass über die Hälfte der teilnehmenden Anwender zwar eine Zunahme von Interferenzen (Störungen der beabsichtigten Frequenznutzung) bemerkt haben, diese jedoch mittels entsprechender Maßnahmen vermieden werden konnten. Fast ein Drittel der Befragten haben keine Zunahme an Interferenzen bemerkt. Der Schwerpunkt der Störungen lag offenbar im 800-MHz-Frequenzbereich. Diese Störungen wurden vermutlich durch die neue Mobilfunkfrequenznutzung verursacht. Störungen im 700-MHz-Frequenzband könnten sowohl durch die Nähe zum LTE-Downlink im oben angrenzenden 800 MHz-Band als auch durch die Verdichtung des 700 MHz-Bandes zustande kommen.

 

Gibt es aus Ihrer Sicht einen Trend bei dem Thema?
Den Rückantworten wurde entnommen, dass vor der DD1 die deutliche Mehrheit Frequenzen des 800-MHz-Bandes genutzt hat. Nach der DD1 hat sich die Frequenznutzung erheblich verändert. Lediglich sechs Anwender sind im 800-MHz-Bereich verblieben. Intensiv genutzt wird nun das verbleibende UHF-TV-Spektrum von 470 bis 790 MHz. Hier scheint das 700-MHz-Frequenzband die am Häufigsten gewählte Ausweichmöglichkeit gewesen zu sein, da dieses infolge der DD1 verhältnismäßig stark ausgelastet wurde. Nur wenige Anwender entschieden sich für eine Verlagerung in andere Frequenzbereiche außerhalb des UHF-TV-Spektrums, z.B. das 1,8 GHz-Frequenzband.

 

Welche Konsequenzen müssen Akteure in der Veranstaltungsbranche durch die Entwicklung erwarten?
Offenbar sind PMSE-Anwender, die in den 700 MHz-Frequenzbereich ausweichen mussten, erneut betroffen. 2015 wurde der 700 MHz-Frequenzbereich ebenfalls an den Mobilfunk versteigert. Betroffene müssen daher erneut auf andere Frequenzbereiche umstellen und somit erneut Kosten und Aufwendungen tätigen.

 

Pia Seeger ist 23 Jahre alt und hat in diesem Jahr ihr Bachelor-Studium im Fach „Veranstaltungstechnik und –management“ erfolgreich abgeschlossen. Ihre Abschlussarbeit hat sie über das Thema „Auswirkungen der Digitalen Dividende 1 und 2 auf die Frequenznutzung drahtloser Übertragungstechnik in verschiedenen Ländern der Europäischen Gemeinschaft“ geschrieben.