Der Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik

 

 

Besser erklären, was wir machen

 

In der Politik wird die Veranstaltungsbranche selten als eigenständiger Wirtschaftszweig gesehen. Dabei könnten wir als eigener Teilbereich der Kultur- und Kreativwirtschaft eingeordnet werden. Das hätte viele positive Auswirkungen für die Akzeptanz durch den Gesetzgeber, aber auch gegenüber Versicherungen, Ämtern und Instituten.

Nahezu jeder von uns kennt die Schwierigkeit, Außenstehenden genau zu erklären, was wir in der Veranstaltungsbranche eigentlich alles machen. Was in der Familie oder im Freundeskreis mitunter nervig ist, wird auf politischer Ebene oder im Austausch mit Auftraggebern und anderen Wirtschaftszweigen anstrengend. Es ist trotz der manchmal nervenden Unwissenheit überlebenswichtig.

Dabei ist unsere Branche so heterogen, dass es schwierig ist, selbst Wirtschaftsfachleuten genau zu erklären, was die Menschen bei uns alles schaffen. Zu häufig wird unsere Arbeit auf Kistenschleppen, Kabel verlegen und Bühnen aufbauen reduziert. Wer schon einmal eine richtige Veranstaltung gemacht hat, weiß, wie komplex das Ganze wirklich ist. Nicht nur die technische Seite beansprucht unsere volle Aufmerksamkeit: Auch die Absprachen mit den Kunden, die Sicherheit der Beteiligten und der Zuschauer oder Besucher, die Kommunikation mit den Ämtern, der Polizei und dem Rettungsdienst – all diese Aspekte erwarten von uns konstante Kompetenz, Aufmerksamkeit, Gründlichkeit, Flexibilität und Kreativität.

Viele Jahre waren wir unzufrieden darüber, dass die Menschen außerhalb der Branche gar nicht verstehen, was wir eigentlich machen. Es hat aber nur selten etwas mit einer Missachtung unserer Leistung zu tun – das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wenn man Menschen erst einmal erklärt hat, wie komplex eine Veranstaltung ist und welches Potenzial die Technik hat, die wir einsetzen, dann bekommen sie große, leuchtende Augen. Von diesem Wow-Effekt können wir uns zwar nichts kaufen, aber es ist die Grundlage für unsere politische Arbeit.

Damit wir besser wahrgenommen werden, engagiert sich der VPLT seit Jahren in vielen Gremien und Sitzungen und ist konstant im Austausch mit Gesetzgebern, Kammern und Vertretern anderer Branchen. Im vergangenen Jahr haben wir gelernt, dass wir so schon sehr viel erreichen können – die Neuordnung der Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik ist da nur eines der vielen positiven Beispiele.

Damit wir in Zukunft die Sichtbarkeit unserer Branche noch weiter erhöhen und unsere Probleme gegenüber der Politik besser formulieren können, planen wir konkret an der Klassifizierung unserer Branche als Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft anzusetzen. Nur so können wir das Unverständnis durch die Komplexität unseres Wirtschaftszweiges durchbrechen und alle Aspekte von uns einen – indem sich alle in einer klar definierten Teilbranche wiederfinden.

Vereinfacht gesagt arbeiten Politiker, Juristen und viele Ämter nach einem festgelegten Raster, um die Wirtschaft einzuordnen. Dies ist wichtig bei der Festlegung der Steuern, Gesetze, Regelungen in Bezug auf Arbeitsschutz oder Arbeitszeit und natürlich auch im Hinblick auf die Aufmerksamkeit, die man der ganzen Sache widmet.

Im Bereich der Wirtschaftsförderung und –entwicklung sind wir bislang grob in der Kultur- und Kreativwirtschaft verortet. Dazu zählen die folgenden elf Teilbranchen: Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Darstellende Künste, Architekturmarkt, Designwirtschaft, Pressemarkt, Werbemarkt und Software/Spiele-Industrie.

Mit einem ersten Blick ist für jeden zu erkennen, dass wir da in einigen Branchen mitmischen, aber im Grunde genommen eine komplett eigene darstellen und auch darstellen müssten. Und daran arbeiten wir nun auch. Intern besprechen wir, wie es der VPLT schaffen kann, eine eigene Teilbranche für die Veranstaltungswirtschaft zu schaffen. Die Vorteile wären dabei unter anderem: bessere Sichtbarkeit und Verständnis von Seiten der Juristen und Politiker und mögliche Teilnahmen an Wirtschaftsförderungsmöglichkeiten. Wir werden in den kommenden Monaten im VPLT Inside berichten, wie unsere Initiative weiter geht.

Soweit zu unserem Selbstverständnis und der Strategie, durch Außenstehende besser verständlich zu werden. Die Etablierung einer eigenen Teilbranche reicht jedoch nicht langfristig: Es braucht auch eine bessere Einordnung auf formaler, juristischer und wirtschaftsstatistischer Ebene, um professionell und nachhaltig zu arbeiten. Deshalb wollen wir in den kommenden Monaten daran arbeiten, eine eigene Klassifikation als Wirtschaftszweig durch das Statistische Bundesamt (Destatis) zu erreichen. Die Klassifikation ist nicht nur aus statistischen Gründen wichtig, sie regelt auch Gesetze und Bestimmungen für unseren Berufsalltag, auf die sich dann Gerichte, Schiedspersonen oder Ordnungsämter berufen.

Im Stress des Berufsalltags mag es manchen so vorkommen, als sei dies ein Nebenschauplatz. Doch Politik funktioniert vor allem über Kommunikation. Und dafür braucht es eine gute Basis. Wenn unsere Gegenüber nicht verstehen, was wir machen und warum es wichtig ist, dass unsere Arbeit anders geregelt werden muss als beispielsweise reine Montage, Gastronomie oder Logistik, dann werden sie uns auch nicht darin unterstützen, die Veranstaltungsbranche nachhaltig zu professionalisieren. Und das ist unser Ziel!

Helge Leinemann ist Vorstandsvorsitzender des VPLT