Der Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik

 

 

Guter Lohn für gute Arbeit

 

Rund zwei Jahre nach Einführung des Mindestlohns in Deutschland zeigt sich, dass alle Warnungen und alle negativen Szenarien, die es damals davor gab, nicht eingetreten sind. Im Gegenteil: Die deutsche Wirtschaft hatte im Großen und Ganzen keine Nachteile durch die Einführung des Mindestlohns. Dass zahlreiche sogenannte Minijobber jedoch durch Tricks um den Mindest- lohn gebracht werden und besonders Selbstständige gefährdet sind, viel weniger zu bekommen, darf dabei nicht vergessen werden.

Es ärgert mich immer wieder, dass das Thema Lohn bei vielen Auftraggebern und Unternehmern immer nur als Fixkostenpunkt gesehen wird und nicht als das, was es ist: der Gegenwert für eine Leistung durch eine Fachkraft. Wenn man diesen Kostenpunkt immer wieder reduziert, dann darf man sich auch nicht wundern, wenn die Leistung sich ebenfalls reduziert. Eigentlich klingt es überholt, doch es muss anscheinend immer wieder betont werden: Wer keinen Respekt für die Leistung seiner Mitarbeiter, Auftragnehmer oder Subunternehmer hat, braucht sich auch nicht wundern, wenn er ständig nachbessern muss, nicht die erhoffte Leistung erhält oder gekündigt wird.

Und so eine Kündigung kann richtig teuer werden. Nahezu alle Wirtschaftsverbände haben Schätzungen, wie hoch der finanzielle Verlust ist, wenn eine Fachkraft kündigt: Aufträge können nicht mehr wie geplant bearbeitet werden, vielleicht nimmt der ehemalige Mitarbeiter ja sogar Kunden mit. Auch einen neuen, passenden Mitarbeiter zu suchen, einzustellen und einzuarbeiten kostet Zeit und Geld. Langfristig lohnt es sich immer, lieber einen fairen Lohn zu zahlen, als unsicher zu sein, ob das Ganze nicht irgendwann explodiert. Wer kann es sich schon leisten, schlecht gelaunte und unmotivierte Mitarbeiter auf einem Job zu haben – für viele Kunden ist so etwas ein Grund, in Zukunft jemand anderen zu beauftragen. Ein guter und fairer Lohn ist also unabdingbar, um in unserer Branche – aber auch überall sonst – erfolgreich zu arbeiten. Doch warum denken nicht mehr Menschen so und entscheiden sich für kurzfristige Gewinne, statt langfristige strategische Entwicklung? Über die Gründe kann ich nur spekulieren: Ich vermute, dass es eine Mischung aus betriebswirtschaftlicher Fehlplanung ist und dem Druck, jeden Auftrag annehmen zu müssen, um den Umsatz hochzutreiben und die Liquidität zu erhalten.

Für das erste habe ich Verständnis. Nicht jeder in der Veranstaltungsbranche hatte die Chance, eine fundierte kaufmännische Ausbildung oder sogar ein Studium zu genießen. Die meisten von uns sind Autodidakten, die mit ihrem technischen Know-how irgendwann ins Management gewechselt sind. Doch zumindest eine einfache Break-Even-Rechnung sollte jeder hinkriegen und eine Aufsplittung in die sogenannten variablen und fixen Kosten. Nur so kann zu jeder Zeit während eines Projektes abgeschätzt werden, wie profitabel ein Auftrag ist.

Diese nicht nachhaltig denkenden Anbieter geben oft lieber Geld für Material aus, welches sich niemals rentie- ren wird – ob nun zur Miete oder im Kauf. Dies geschieht häufig auf Kosten von Auszubildenden, Mitarbeitenden, Selbstständigen Einzelunternehmern oder sich selbst. Dass mit einem Top-Team, ausreichend dimensioniert und motiviert mit guter Versorgung, morgen auch gleich ein neuer Gig möglich ist, ist jenen egal. Mit so einer Denke lässt sich ja immer einer finden, der sich als Neuer versuchen will, als Praktikant beweisen oder schlicht mangels Privatleben die Pauschale mitnehmen will.

Für die Entscheidung den Firmenumsatz konsequent erhöhen zu wollen, ohne Notwendigkeit, habe ich jedoch nur wenig Verständnis. Wachstum per se ist kein Zeichen betriebswirtschaftlichen Erfolgs. In einer Kolumne aus dem Herbst 2016 beschrieb ich bereits, wieso es manchmal besser ist, Aufträge nicht anzunehmen, wenn man damit kein Geld verdient oder vielleicht sogar drauf zahlt. Öfter mal Nein sagen war damals das Credo, das ich an dieser Stelle wiederholen möchte. Denn niemand hat etwas davon, wenn defizitäre Aufträge durchgeführt werden: Das Equipment und das Personal kann sinnvoller eingesetzt werden, und meistens kommt es genau bei oder wegen dieser Aufträgen dann zum Preisdumping.

Am Ende fehlt dann das Geld, um vernünftige Löhne zu zahlen. Und weil jeder Techniker solche Geschichten schon erlebt hat, geben sich viele bei solchen Jobs irgendwann auch nicht mehr die Mühe und zeigen nur ein Bruchteil von dem, was sie eigentlich könnten. Das schmälert den Ruf der Veranstaltungstechnik an sich, was wiederum dafür sorgt, dass Auftraggeber den Wert unserer Dienstleistungen an sich nicht wahrnehmen und in Zukunft weiterhin Aufträge ausschreiben mit unrealistischen Budgetvorstellungen.

Vernünftige Auftraggeber hingegen wissen, was eine Arbeitsstunde einer gut ausgebildeten, motivierten und kreativen Fachkraft kostet und würden dies nie infrage stellen. Und auch immer mehr Geschäftsführer in unserer Branche haben dies erkannt und angefangen, ihre fähigsten Mitarbeiter dementsprechend zu entlohnen und ihnen Möglichkeiten zur Weiterbildung und Entwicklung im Unternehmen zu geben. Denn: Ein frustrierter Mitarbeiter ist nicht nur ein Risiko von heute, sondern ein Konkurrent von morgen. Deshalb: Guter Lohn für gute Arbeit.

Helge Leinemann ist Vorstandsvorsitzender des VPLT. Dieser Text erschien zuerst im monatlichen Mitglieder-Newsletter VPLT Inside.

 

 

VPLT • Fuhrenkamp 3-5 • 30851 Langenhagen • 0511 27074-74 • E-MailImpressum